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Das große IAA-Interview mit VDA-Präsident Matthias Wissmann

Seit wenigen Tagen läuft die 67. IAA Pkw. VDA-Präsident Matthias Wissmann spricht im Interview über die Highlights auf der IAA, die New Mobility World sowie das Dauerthema Diesel.


Die IAA findet in einer besonderen Zeit statt: Der Diesel ist unter massivem Beschuss, Fahrverbote drohen, über das Ende des Verbrenners wird diskutiert. Zudem haben einige Hersteller ihren Auftritt in Frankfurt abgesagt. Wie positionieren Sie die IAA in einem solchen Umfeld?

Wissmann: Natürlich sind die Zeiten herausfordernd. Aber genau deshalb kommt die IAA zum richtigen Zeitpunkt, ihre Bedeutung hat eher noch zugenommen. Sie ist die weltweit wichtigste Mobilitätsmesse, an der sich andere Messen orientieren. Die IAA ist mit rund 1.000 Ausstellern sehr gut gebucht. Erneut sind auf der IAA wieder über 50 Pkw-Marken präsent, darunter die größten Automobilhersteller aus Europa, den USA und Asien. Und neu dabei sind junge chinesische Hersteller wie Wey oder Chery. Sie haben für ihren Messeauftritt gezielt diese Leitmesse gewählt, das unterstreicht die internationale Reputation der IAA. Überdies sind mehrere hundert Zulieferer als Aussteller in Frankfurt. Nur die IAA zeigt in vollem Umfang die Innovationen der Supplier, die für 75 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs stehen.

Dennoch, es gab einige Absagen. Wie gehen Sie damit um?

Wissmann: Auch bei früheren IAAs gab es immer mal wieder Aussteller, die aus unternehmensinternen Gründen nicht an der IAA teilnehmen konnten – und beim nächsten Mal wieder dabei waren. Wir nehmen deren Entscheidung ernst, aber wir sind zuversichtlich, diese Firmen auf der nächsten IAA wieder begrüßen zu können. Denn keine andere Messe hat eine größere internationale Medienpräsenz – über 10.000 Journalisten aus über 100 Ländern berichten über die IAA. Keine andere Messe offeriert dem Fachpublikum und dem Endkunden die gesamte Wertschöpfungskette. Und keine andere Automobilmesse widmet den Zukunftsthemen Digitalisierung, vernetztes und automatisiertes Fahren, Elektromobilität und urbane Mobilität so vielfältig Raum wie die IAA.

Welche Schwerpunkte setzt diese IAA?

Wissmann: Im Mittelpunkt dieser IAA steht die Digitalisierung. Dazu passt das Motto „Zukunft erleben“. Das Auto der Zukunft fährt vernetzt und automatisiert. Allein die deutschen Hersteller investieren in die Digitalisierung bis zum Jahr 2020 16 bis 18 Milliarden Euro. „Im Mittelpunkt dieser IAA steht die Digitalisierung. Dazu passt das Motto: Zukunft erleben“. Die IAA zeigt die ganze Innovationsbandbreite zur Mobilität, von der Digitalisierung über die Elektromobilität bis hin zu neuen Mobilitätskonzepten, insbesondere in Städten.

Bereits 2015 haben Sie die New Mobility World geschaffen, um Zukunftsthemen zu besetzen. Wird dieser Ansatz ausgebaut?

Wissmann: Ja, und zwar massiv. Die New Mobility World belegt die Halle 3.1 und die Freifläche Agora. Sie ist damit das große, internationale Diskussionsforum über die spannenden Zukunftsthemen der Mobilität. Die größten IT- und Tech-Firmen – zum Beispiel Facebook, Google, Qualcomm oder SAP – sind hier prominent vertreten. Weitere zahlreiche IT- und Tech-Unternehmen kommen hinzu. Sie alle suchen die IAA gezielt als Plattform. Insgesamt umfasst die New Mobility World über 250 beteiligte Unternehmen und Organisationen.

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Und was ist mit dem klassischen Messeauftritt – den glitzernden Weltpremieren mit Chrom und Lack? Tritt das traditionelle Messegeschäft in den Hintergrund?

Wissmann: Keineswegs! Wir alle sind sehr gespannt auf die vielen faszinierenden Welt- und Europapremieren. Sie sind unverändert Publikumsmagnet. Aber natürlich gilt auch: Messen müssen sich, wie das Auto selbst, immer wieder neu erfinden. Die IAA zeigt, wie sich die Welt der Mobilität verändert. Als Veranstalter entwickelt der VDA die weltweit wichtigste Mobilitätsmesse seit Jahren stetig und konsequent weiter. Hier wächst zusammen, was zusammengehört. Wir bewegen uns gemeinsam in Richtung Mobilität von morgen. Die Automobilhersteller sehen sich ja selbst längst als Mobilitätsdienstleister, sie investieren enorm in Digitalisierung und Elektromobilität.

Bei der Elektromobilität geht es noch nicht richtig voran. Wann kommt denn der versprochene Hochlauf?

Wissmann: Da bin ich durchaus zuversichtlich. In diesem Jahr hat sich der Absatz von E-Fahrzeugen in Deutschland mehr als verdoppelt. Das Wachstum ist also viel höher als das des gesamten Pkw- Marktes. Die deutschen Hersteller verdreifachen bis zum Jahr 2020 ihr E-Auto-Angebot von heute 30 auf über 100 Modelle. Bis dahin investieren sie 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe. Welche großen Fortschritte die Automobilindustrie auf all diesen Innovationsfeldern macht, können die IAA-Besucher nicht nur sehen, sondern auch erleben!

Die Agora wurde auf der IAA ja bislang von einem Hersteller genutzt, der nun in die Halle 3.0 zieht. Was passiert mit dem Freigelände?

Wissmann: Nicht nur in der Halle 3.1 ist die New Mobility World zu erleben, sondern auch auf dem zentralen Freigelände, der „Agora“. Dort steht eine große Open-Air-Fläche für das „action program“ bereit, dort zeigen Hersteller und Zulieferer automatisierte und digitalisierte Fahrprogramme. Daran beteiligen sich Audi, Daimler und Volkswagen sowie die großen Zulieferer Bosch, Continental und ZF. Das ist eine der ganz großen Attraktionen dieser IAA.

Kommen wir zum Thema Diesel: Hat der Selbstzünder noch eine Zukunft?

Wissmann: Die öffentliche Debatte der vergangenen Wochen war sehr aufgeheizt, sehr emotional und wurde durch bewusste Skandalisierung noch zusätzlich befeuert. Mittlerweile ist eine Versachlichung erkennbar, das war auch dringend notwendig. Denn wir brauchen keine „Ausstiegsdebatte“ um eine Antriebsart, sondern intelligente Antworten auf die Frage, wie wir die Luftqualität in Städten weiter verbessern, CO2-Emissionen senken und die Wettbewerbsfähigkeit dieser Schlüsselindustrie steigern. Für all dies ist – neben der Elektromobilität – der moderne Diesel notwendig. Wir brauchen moderne, effiziente und saubere Diesel und Benziner noch viele Jahre, sicher noch Jahrzehnte, auch wenn die Elektromobilität stärker wachsen wird als der Pkw-Markt insgesamt. Ich freue mich, dass sich die Bundeskanzlerin klar dazu ausgesprochen hat, ebenso wie führende Vertreter von CSU, SPD und FDP.